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>>> Ortsunion Herscheid

 

Politischer Aschermittwoch der CDU Herscheid

Gemeinsames Fischessen im Hotel „Zum Adler“. Anschließend referierte
Kreislandwirt Dirk Voß, Herscheid, über die Aufgaben seiner vielseitigen
landwirtschaftlichen Ämter.

Zum Politischen Aschermittwoch der CDU Herscheid trafen sich am 25. Februar 2009
zahlreiche Mitglieder und Interessenten im Hotel „Zum Adler“. Bevor Dirk Voß das Wort ergriff, stand das traditionelle Fischessen auf der Tagesordnung.

Nachstehend veröffentlichen wir die von Dirk Grein verfassten Berichte im Süderländer Tageblatt: über den Verlauf der Veranstaltung:

Der Bauer von heute muss auch ein guter Manager sein.

Strukturwandel in der Landwirtschaft hat für neue Herausforderungen
gesorgt: Es gilt sich zu spezialisieren, zu haushalten und den Markt im
Auge zu haben

Pferde, Schweine, Kühe und ein großer Streichelzoo dieses
Bild eines Bauernhofes ist heutzutage nur noch in Kinderbüchern zu
finden. Jungspunde, die den lieben langen Tag im Heu herumalbern, um
ihrer Angebeteten den Hof zu machen, gibt es allenfalls in der
TV-Sendung "Bauer sucht Frau". Die Realität in der Landwirtschaft sieht
anders aus. Wie, das erklärte Dirk Voss im Rahmen des Politischen
Aschermittwochs den Mitgliedern der CDU Herscheid.

Der 43-Jährige betreibt gemeinsam mit seiner Familie, zwei
Auszubildenden und einem Praktikanten einen Milchviehbetrieb in
Friedlin. Auf rund 88 Hektar Fläche sind dort 205 Tiere beheimatet, die
Pflege quasi rund um die Uhr benötigen ein echter Vollzeitjob. Doch
die Aufgaben eines Landwirtes haben sich in den letzten Jahren rasant
geändert. "Die einzige beständige Größe, die es in unserem Beruf gibt,
ist der Strukturwandel", verdeutlichte Voss.

Das Fahren eines Treckers oder die Versorgung der Tiere sei die eine
Seite, doch damit allein könne ein Betrieb heute nicht mehr überleben.
Von immer größerer Bedeutung seien daher wirtschaftliches Handeln und
Kalkül geworden. "Ich sehe unseren Berufsstand eher als Unternehmer und
Manager", beschreibt der Friedliner. Während man früher stets darauf
bedacht war, Sicherheit durch ausreichend Fläche zu wahren, gelte es
heute den Markt zu sondieren und sich zu spezialisieren. An dieser
ungewohnten Herausforderung seien in der Vergangenheit etliche Landwirte
gescheitert, die ihre Höfe daher schließen mussten. Erschwerend sei
hinzu gekommen, dass viele Betreiber keine Nachfolger finden konnten.

Niedrige Milchpreise, steigende Betriebskosten und nicht zuletzt die
Wirtschaftskrise machen den Landwirten zu schaffen. Doch es sei nicht an
der Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken. "Ich habe Spaß an meinem Job
und versuche das beste daraus zu machen", konnte Dirk Voss durchaus
Optimismus verbreiten. Zukunftsorientierte Höfe werden, so seine
Prognose, sich nicht nur auf dem Markt halten, sondern sogar weiter
wachsen. Die Landwirtschaftskammer gehe davon aus, dass ein gesunder
Betrieb im Abstand von fünf bis zehn Jahren seine Größe verdoppeln kann.

Dafür seien sowohl qualifizierte Fachangestellte, aber vor allem auch
die entsprechende Fläche notwendig. "Wir müssen dabei immer bedenken,
dass die Zeit der vollen Tische vorbei ist", mahnte Voss. Die wachsende
Erdbevölkerung habe eine gestiegene Nachfrage zur Folge; bei
unveränderten Bedingungen sei ein Engpass an Nahrungsmitteln zu
befürchten. Daher begrüßte Voss die Vorgehensweise der Gemeinde
Herscheid, bis auf weiteres kein neues Bauland auszuweisen und
stattdessen bestehende Baulücken zu schließen _ die ungenutzten Flächen
könnten bei Bedarf landwirtschaftlich genutzt werden. Diese "zeitgemäßen
Töne" befürwortet auch die CDU, wie Wolfgang Weyland bestätigte:
"Herscheid muss wissen, dass wenn die landwirtschaftlichen Betriebe
eingehen, unsere Landschaft verkommen wird."


Welche Aufgaben hat eigentlich der Kreislandwirt?

Dirk Voss sieht sich als Bindeglied zwischen Landwirten und Kammer.

„Wir müssen aktive Landwirte in den Gremien haben, ansonsten
wird über unsere Köpfe hinweg entschieden", beschreibt Dirk Voss seine
Motivation. Aus eben diesem Grund ist er dazu bereit, in seiner knapp
bemessenen Freizeit Ehrenämter zu übernehmen zum Beispiel das des
Kreislandwirts. Doch was hat dieser für Aufgaben?

Die Landwirtschaft wird von zwei Säulen getragen: der Kammer und dem
Verband. Letzterer ist die Interessenvertretung der Landwirte, der in
Nordrhein-Westfalen 48 000 Mitglieder angehören. Der Landes-Verband hat
seinen Hauptsitz in Münster und unterteilt sich in 20 Kreis- und 730
Ortsverbände. Der heimische Ortsverband umfasst den Bereich Plettenberg
und Herscheid; Vorsitzender ist seit Beginn des Monats Dirk Voss.
Gleichzeitig ist der Friedliner auch Kreislandwirt. In dieser Funktion
versteht sich Voss vor allen Dingen als Informationsquelle: "Ich sehe
mich als Bindeglied zwischen Kammer und den Landwirten."

Die Kammer hat die Aufgabe, die Landwirtschaft und die in ihr
Berufstätigen zu fördern und zu betreuen. Die etwa 4 000
wahlberechtigten Mitglieder hatten im Herbst letzten Jahres die
Gelegenheit, durch ihre Stimmabgabe vier neue Listenplätze zu
besetzen. Ein Großteil der Stimmen entfiel auf den Herscheider
Dirk Voss, der von diesem deutlichen Votum überrascht wurde:
"Ich hatte damit nicht gerechnet, aber nach diesem überwältigenden
Ergebnis kam ich aus der Nummer nicht mehr raus." Übrigens wurde mit
Sebastian Schmal als Vertreter der IG Bau ein weiterer Herscheider in
das Gremium gewählt.

Die Aufgaben, die ihm als Kreislandwirt zufallen, stuft Dirk Voss als
sehr vielfältig ein. Die Kammer sei staatlich organisiert und berate in
sämtlichen Fragen der Landwirtschaft. Zudem wickele sie das
Förderungswesen ab, kümmere sich um Aus- und Weiterbildung und um das
zentrale Versuchswesen.

Für Herscheid zuständig ist die Kreisstelle Märkischer Kreis /
Ennepe-Ruhr der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Sie hat ihren
Sitz in Unna  und da soll er nach Auffassung von Dirk Voss auch
weiterhin bleiben: "Für die Landwirtschaft unserer Region ist es
wichtig, dass dieser Standort erhalten bleibt." Dafür werde er sich als
Kreislandwirt aktiv einsetzen.

Das große Massensterben der Höfe

Bedenklich stimmt die CDU die Entwicklung der Hofschließungen. Im
Bereich der Landwirtschaftskammer NRW hat sich die Zahl der
Vollerwerbsbetriebe von 102 000 (Jahr 1979) auf heute nur noch 47 500
verringert. Allein im Zeitraum von 2003 bis 2007 wurden 7 020
Vollerwerbsbetriebe geschlossen. Im Märkischen Kreis gebe es zurzeit
noch 168 Vollerwerbsbetriebe, in Herscheid sind es derer sieben.

Diese seien jedoch gut aufgestellt: Die Betriebe der Ebbegemeinde
beherbergen 460 Kühe. Mit 66 Tieren pro Hof liege man somit über dem
Landesdurchschnitt.

 

 

 

 

 

 



 
 
         
   
 
         
   

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